Kommunikationsbrücke: Beispiel Kinematik
Trainer Trick: Kommunikationsbrücke
Auch als Trainer kommt man mal in die Situation, dass man über etwas reden muss, wovon man eigentlich zu wenig versteht, glaubt man. Man weiß, was man machen muss, hat dies aber nicht wirklich verstanden, sondern man macht aus Erfahrung etwas. Dies wäre für einen Werksmonteur vielleicht genug, da dieser auf Kollegen zurückgreifen kann, die in der Nähe sind, aber nicht für einen Techniker, der alleine beim Kunden ein Qualitätsproblem lösen soll. Hier ist ein Verstehen der Arbeit gefordert, zusätzlich zum Ausführen dieser. Der eine oder andere Trainer wird sich nun sagen, was soll ´s, dann führen wir halt die Arbeit durch und gut ist es. Damit bringe ich die Zeit schon um. Der andere sagt, ich mache nichts, wovon ich weniger verstehe als unter Umständen meine Kursteilnehmer. Ich mache mich doch nicht zum Affen. Der Chef sagt: "Machen". Also, machen.
Nicht gerade clever, obwohl ehrlich, wäre es zu sagen, dass man nichts darüber weiß, weil, etwas weiß man immer.
Verfügt man als Trainer nicht über das nötige Wissen des Unterrichtsthemas, so sollte man zumindest seine "Trainertools" beherrschen. Die Trainertools ermöglichen es einen Weg zu immer mehr Wissen zu entwickeln. Sie sind keine Lösung, sondern ein Werkzeug. Mit diesem Werkzeug wird Unwissenheit, egal bei wem, zerlegt und zu Wissen umgebaut.
Des anderen, sollte der Trainer etwas über Kommunikation wissen und es auch anwenden können. Unter Kommunikation versteht man einen erfolgreichen Gedankenaustausch, der in einem Verstehen gipfelt.
Der grobe Ablauf davon ist:
- Zuhören und bestätigen, dass man es gehört hat. Zum Beispiel ok, gut, ja……
- Es selbst verstehen, also auswerten und dies durch eine sinnvolle Antwort zu verstehen geben. Das kann sehr schnell gehen. Hat man es nur gehört, aber nicht verstanden, dann muss nachgefragt werden.
Das Ziel ist es, beim Anderen und auch bei sich selbst, Verstehen zu erzeugen.
Ist man an der Grundlage von einem Datum, dann gibt es kein Verstehen darunter. Zum Beispiel was ist in einem Vakuum? Antwort: Das Vakuum. Der Begriff Vakuum muss halt verstanden werden.
Die Grundlage wird, den Erfordernissen nach, festgelegt. Die Grundlage für den Unterricht ist die, die ausreicht um damit denken zu können und womit die Gruppe übereinstimmt. Es gilt, so genau wie nötig und nicht so genau wie möglich. Für einen Maurer ist es ausreichend zu wissen, welche Ziegelsteine er verwenden muss und nicht, wie der Ton dazu entstanden ist und eine erfolgreiche Ziegelsteinproduktion aufgezogen wurde.
Zu viel verwirrt, zu wenig auch. Verwirrung ist der frühe Tod des Verstehens.
Um zurückzukommen: Besser wäre es, folgendes zu tun. Man startet mit einer Kommunikationsbrücke. Man schmilzt das Eis zwischen sich und der Gruppe und kommt zum Thema.
Zum Beispiel:
" Unser heutiges Thema ist Kinematik, schauen wir mal was wir darüber herausfinden können.". (Damit ist schon mal klar, dass es kein Vortrag wird, sondern eine Gruppenanstrengung.)
"Hat schon irgend jemand von euch damit zu tun gehabt ?" Wenn ja, dann hat man schon mal Erfahrungswerte im Kurs. Die müssen nur richtig abgegriffen werden.
Danach werden die grundlegenden Informationen zusammengefasst.
"Schauen wir mal, was wir brauchen."
"Zuerst, was verstehen wir unter Kinematik überhaupt ?"
"Wie wird sie überprüft?". (einfache Antwort, durch Messungen oder Probeteil)
"Also, wir brauchen Messungen und dazu das Abnahmeprotokoll, weil sie darin stehen."
"Dann brauchen wir ein Auswertesystem." "Dazu werden wir eine Skizze machen."
"Dann brauchen wir die Korrekturmöglichkeiten, die schauen wir uns an der Maschine an."
"Dann brauchen wir noch die Einflussgrößen und deren Berücksichtigung." (Temp, Gewicht, Kompensation, Toleranzen etc.)
Gut und dann müssen wir zuerst mal alles in die richtige Reihenfolge bringen.
………
Definition des Begriffs Kinematik, wie wir sie für unsere Arbeit brauchen.
Antwort: Ein System aus Messungen und Berechnungen, mit der die Bewegung von Punkten im Raum berechnet werden kann. Vorzugsweise in einem rechtwinkligen Raum. Das Aufsagen der Definition ist nicht genug. Es muss jetzt noch der Sprung in die Anwendungen der verschiedenen Fachgebiet oder das Leben im Allgemeinen geschafft werden. Wer Kinematik grundlegend versteht, der wird erkennen, dass es ein System des Denkens ist, welches wir tagtäglich ständig verwenden. Das nimmt schon mal etwas an Ehrfurcht aus diesem Fachgebiet.
Zweck und Aufgabe der Kinematik.
Antwort: Kontrollierte Bewegungen im Raum ermöglichen, um zum Beispiel mit dieser Maschine ein Teil, nach einem Programm zu fertigen.
Voraussetzung:
Exakt definierter rechtwinkliger Raum, der seine Ausdehnungen während der Bearbeitung beibehält.
Frage: "Was bewegt sich?"
Antwort: "Der Fräser und das Werkstück." "ok".
Frage: "Was ist der Ursprung dieser Bewegungen?"
Antwort: "Die Tischmitte und die Fräserspitze." "gut"
Frage: "Der Fräser kann unterschiedliche Längen haben. Gibt es eine gemeinsame Grundlage dafür?"
Antwort: "Die Spindelnase." "Stimmt"
Frage: "Die Spindelnase kann horizontal oder vertikal sein. Gibt es dafür eine gemeinsame Grundlage."
Antwort: "Der Schwenkpunkt der Achse." "richtig"
"Gut, somit wissen wir, was wir suchen müssen. Tischmitte, Schwenkmitte und die Spindelnase als Hilfspunkt."
Frage: "Wie finden wir dies heraus?"
Antwort: "Durch Messungen." "Genau"
Frage: "Wo finden wir diese?"
Antwort: "Im Abnahmeprotokoll." " gut"
Frage: "Wo finden wir das Abnahmeprotokoll ?"
Antwort: "Im Schaltschrank." "Stimmt"
"Gut, dann schauen wir uns dies einmal an."
Das Abnahmeprotokoll wird durchgeschaut, insbesondere auf Hinweise und Notizen zur Verwendung. Ist ein einfacheres Protokoll vorhanden, dann wird zuerst dieses verwendet. Sind keine Kinematikangaben im Protokoll, so müssen sie in den Maschinendaten stehen. Dort gibt es aber keine Skizzen oder Messangaben. Hier ist der Einfallsreichtum des Trainers gefragt.
Frage: "Wer braucht die Berechnungen ?"
Antwort: "Der Programmierer." "ok"
Frage: " Wer braucht die Messungen?"
Antwort: "Der Techniker." "ok"
Frage: "Wie kann sie überprüft werden?"
Antwort: "Durch Messungen oder Probeteile." (Diese Antwort ergibt sich aus den vorherigen Antworten). "Super"
Frage: "Wo stehen die Messungen?"
Antwort : "Im Abnahmeprotokoll." "Richtig"
Frage: "Wo stehen die Daten für das Probeteil ?"
Antwort: "Auch im Abnahmeprotokoll." "Stimmt"
Gut, schauen wir da mal rein.
Als nächstes wird das, was man bereits weiß, in einer Skizze dargestellt. Damit wird die Aufmerksamkeit der Gruppe vom Trainer auf die Skizze, welche ein Stück Wissen ist, gelenkt.
Auch der Trainer schaut sich die Skizze an und beginnt dann Fragen zu stellen, deren Antworten er selbst nicht wirklich weiß, aber sie aus den Anwesenden durch die Fragestellung "rauskitzeln" kann und durch die Zusammenhänge, welche die Skizze beinhaltet, erkennen kann.
Wie sagt schon ein altes chinesisches Sprichwort: "Der Kluge Man macht kleine Schritte". Natürlich um ein weit entferntes Ziel zu erreichen, nicht nur zum rumgehen.
Im übertragenen Sinne bedeutet dies: " Der Kluge Trainer stellt einfache Fragen, um eine komplizierte Frage beantwortet zu bekommen".
Viel Spaß beim Anwenden und das Bestätigen der Antworten nicht vergessen, sonst wird das ein Kaugummi aus Fragen.
Auch darauf achten, dass die Frage verstanden wird. Verstanden bedeutet geistig verarbeitet und eine sinnvolle Antwort hervorgebracht. Nicht nur"gehört". Wird die vorherige Frage nicht verstanden, dann kann die nächste Frage, die auf der vorhergehenden aufbaut, auch nicht beantwortet werden.
Franz 09.2026
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