Rundlaufrätsel
Unglaublich, aber wahr.
Ein (hoffentlich nicht) Monteursrätsel
Ein Monteur ist beim Kunden und ermittelt den Rundlauf der Motorspindel.
Er steckt den Dorn mehrmals in die Spindel macht Markierungen und schreibt folgende Werte auf:
Rmin = 8 µm
Rmax = 12 µm
R(180°) = 8 µm
Daraus folgt: Der Rundlauf der Spindel beträgt 10µm
Der Kunde, ein Handwerker alten Schlages und somit vorsichtig gegenüber Aussagen im µ-Bereich und gegenüber vorhandenen oder nichtvorhandenen Zertifikaten, besteht darauf die Messung selbst überprüfen zu dürfen.
Er steckt auch den Dorn mehrmals in die Spindel benutzt die selben Markierungen und schreibt folgendes auf.
Rmin = 8 µm
Rmax = 12 µm
Daraus folgt: Der Rundlauf des Dorns beträgt 2 µm.
Daraufhin sagt der Kunde: " Dass mit dem Rundlauf von 10 µm kann wohl nicht stimmen, ihr Dorn hat ja 2µm Rundlauffehler".
Der Monteur blickt dem Kunden selbstbewusst ins Auge ( one face to the customer) und sagt:
"Stimmt, ihre Motorspindel hat aber trotzdem 10 µm Rundlaufabweichung".
Der Kunde, beeindruckt von der Selbstsicherheit des Monteurs, sagt trotzdem: "Das beweisen sie mir erst einmal".
Der Monteur erwidert darauf kaltschnäuzig: "Kein Problem, aber können sie ihre Aussage auch beweisen"?
Daraufhin zückt der Kunde den Bleistift, schreibt eine Formel auf, setzt die Werte ein und erhält die Bestätigung seiner Aussage.
Der Monteur blickt kurz auf die Rechnung und sagt:" Die Rechnung ist richtig und wenn sie sie ein wenig umstellen, dann werden sie sehen, dass auch ich recht habe".
Ein Ingenieur (FH, zweiter Bildungsweg) blickt beiden über die Schulter und erwähnt daraufhin:" Das ist ja eine interessante Rechnung, ihr wisst aber schon, dass ihr die Vorzeichen beachten müsst."
Der Kunde und der Monteur, noch in Euphorie ihres vorherigen geistigen Ergusses, blicken sich fragend an.
Nach kurzer Überlegung sagen sie darauf:" Na gut, dann machen wir es eben so wie immer, das ist einfacher."
Die Frage lautet nun, welchen Beweis führt der Monteur und welchen der Kunde an und wieso wurde der Dorn mehrmals in die Spindel gesetzt und markiert?
Was meinte der Ingenieur mit dem "Vorzeichen beachten"?
Und wie wird es denn wie immer gemacht?
Und vor allen Dingen, sind die Ergebnisse bei der Berechnung und bei "wie es schon immer gemacht wurde", identisch?
Franz Lehner
