Über: Wiederholungen und Talent
Was haben Üben und Wiederholungen mit Talent zu tun?
Viele glauben, Talent sei angeboren und daran kann man nichts ändern. Da hat man entweder Glück oder Pech gehabt.
Wenn das jetzt aber nicht so ist, dann bedeutet dies, dass man sein Talent selbst im Griff hat.
Was ist jetzt aber Talent?
Nun, man betrachtet eine Person, die eine Tätigkeit das erste Mal macht und sie macht dies besser, als normalerweise erwartet worden wäre. Man betrachtet sie dann als talentiert.
Ein selbsterlebtes Beispiel dazu.
Ich habe ein Brett mit der Stichsäge geschnitten und eine Bekannte sah dies. Sie fragte mich, ob sie dies auch probieren dürfte. Sie war eine junge Frau und Sekretärin. Ich hatte da so meine Bedenken, stimmte aber zu.
Sie schnitt auf Anhieb das Brett mit einem richtig geraden Schnitt. Ich war da schon ein wenig überrascht, zumal er auch noch besser war als meiner.
Ich fragte sie, wie denn dies möglich wäre? Sie sagte, dass dies einfach gewesen sei. Als Kind musste sie Schneidern lernen, weil ihr Vater Schneider war und er hat ihr dies in ihrer Zeit nach der Schule beigebracht. Er sagte, dass man dies immer irgendwie im Leben brauchen kann. Die Sägebewegung war die umgekehrte Nähbewegung. Beim Nähen wird der Stoff gezogen und beim Sägen die Maschine geschoben. Sie sagte, dass sie stundenlang saubere Nähte machen musste. Dieses Können hatte sie abgespeichert und einfach wieder abgerufen. Ich dachte zuerst, sie wäre talentiert, dabei war aber die Ursache ihres scheinbaren Talentes eine ähnliche Bewegung gewesen, die sie sehr oft geübt hatte und sich wieder daran erinnerte.
Wenn man eine Sache genügend oft übt, dann ist man in vielen, ähnlichen Sachen, talentiert.
Üben ist Talent übergeordnet. Die Ursache von Talent ist Üben.
Was das Üben auf der praktischen Seite ist, ist das Wiederholen auf der theoretischen Seite.
Wird alles schnell schnell gemacht, dann kann kein Talent entstehen.
