Motivation

Wer kennt das nicht. Man geht zu seiner Teilnehmergruppe und es ist eine eher etwas gelangweilte Truppe. Desinteressierte Leute ausbilden macht keinen Sinn, da für das, was man aufnehmen soll, erst mal Interesse da sein muss.

Motivation ist also angesagt.

Als Trainer weiß man, dass Servicetechniker es lieben Probleme zu lösen und nicht so begeistert sind, wenn sie dies nicht schaffen. So gut wie jeder Servicetechniker ist schon mal gehörig auf die Nase gefallen.

Jetzt muss aber ein Thema unterrichtet werden, von den ein jeder überzeugt ist, dass er da schon alles weiß. Diese Vorstellung muss zuerst einmal hart auf die Probe gestellt werden.

Als Trainer habe ich mir immer aufmerksam die Probleme, die Techniker beim Kunden hatten ,angehört und analysiert.

Diese Probleme bringe ich als Einleitung zum Training, allerdings ohne die Lösung zu sagen. So mancher Techniker wird da seine Probleme erkennen und nun schon mal die Ohren spitzen.

Ein Beispiel von vielen, zum Messkurs:

Messen ist das tägliche Brot eines Technikers und damit lockt man keinen hinter dem Ofen hervor. Allerdings liegt an der Ursache des Scheiterns meist eine falsche Messung.

Problem:

Ein Kunde hat an einen eher kleinen Bauteil eine Maßabweichung von 60 µm. Das ist gewaltig.

Erste Überlegung:

Die Abweichung ist so groß, da ist bestimmt ein Bauteil lose.

Abhilfe:

Alles Überprüfen und Schrauben nachziehen.

Maschine vermessen und das Ergebnis war 10 µm. Super.

Kunde macht Probeteil und die Abweichung ist 60 µm.

Zweite Überlegung:

Wärme könnte die Ursache sein und eine große Wärmequelle ist die Hydraulik.

Abhilfe:

Hydraulik überprüfen.

Maschine vermessen und siehe da 10 µm. Passt doch.

Kunde macht Probeteil, 60 µm.

Dritte Überlegung:

Das könnte vom Messsystem kommen.

Abhilfe:

Messsystem überprüfen, vorsorglich Teile tauschen.

Maschine vermessen. 10 µm. Gottseidank.

Kunde macht Probeteil, 60 µm.

Nächste Überlegung.

Das könnte die Software sein.

Abhilfe: SW tauschen, Maschine vermessen, 10 µm.

Kunde macht Probeteil 60 µm.

Nächste Überlegung

So kommen wir nicht weiter, wir schicken mal einen Programmierer hin und der soll sich das Programm anschauen.

Der Programmierer war ein alter Hase, so einer, der sich noch mit Lochstreifen auskennt und seine Vorgehensweise war etwas anders als es heute üblich ist. Sie war eher antiquiert.

Er hat sich das Problem angeschaut, eine Messung gemacht, einen Schraubendreher genommen, eine Einstellung gemacht und in 2 min war das Problem erledigt. Er hat nichts nachgemessen, sondern gleich ein Probeteil machen lassen und dies war nun in Toleranz. Wäre ein junger Programmierer hingefahren, dann glaube ich, dass er das Problem nicht erkannt hätte.

Als ich diese Vorgehensweise hörte, habe ich mehrere Probleme erkannt, nicht nur das technische.

Die Kursteilnehmer sitzen in der Regel erst mal schweigend da. Ein jeder hatte eine gute Vorstellung davon, was diese Aktion gekostet hat und wer dies letztendlich bezahlen musste. Der eine oder andere denkt vermutlich auch, dass er zu diesen Kunden nicht mehr fahren möchte.

Keiner konnte mir bisher die Lösung sagen.

Aber klar war: Eine Messung, eine Einstellung, richtige Lösung.

Danach war einen jeden klar, dass es da doch etwas zu wissen gibt.

Unter dem technischen Problem lagen noch eine ganze Reihe anderer Probleme, die ich natürlich später auch angesprochen habe, da es eine beliebte Vorgehensweise der Techniker betraf und somit solch eine Aktion sich jederzeit wiederholen könnte.

Der alte Hase hatte eine alte Messweisheit angewendet, die heute kaum mehr einer wirklich versteht. 

Die Techniker und die Einsatzleitung hatten eine Vorgehensweise angewendet, die heute üblich ist.

Der Kunde hätte das Problem auch erkennen können, wenn er denn die nötigen Grundlagen der Mechanik gewusst hätte. Der ganze Aufwand wäre nicht nötig gewesen.

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